Ich weiß erst, wie ich was finde, wenn ich es mache.
Ich kann nicht ein paar Schritte in die Zukunft denken.
Ich muss mich von meiner Erfahrung und von meiner Fantasie leiten lassen.
Erstere ist begrenzt. Zweitere wuchert eher zu üppig.

Es schreibt: Michael Würfel. Hallo. Ich habe im Sommer 2004 beschlossen, Berlin zu verlassen. Ich habe 8 Jahre da gewohnt. Zuletzt in einer großen, billigen, sonnigen und originellen Wohnung in Prenzlauer Berg. Fast alle meine Freunde wohnen in Berlin. Warum bin ich weg? Ich wollte nicht mehr in der Stadt leben. Zu laut, dreckig, der Verkehr zu aggressiv. Studium war auch fertig und da (siehe oben) hatte ich dann eine Idee: Gehste zurück nach Pfronten! Dort war ich aufgewachsen, bis ich nach dem Abitur vor 14 Jahren fortging. Und soweit ich mich erinnern konnte, war mein Leben in Pfronten im Allgäu (Höhenluftkurort - Wintersportort) immer wunderbar gewesen.

Ich kam nach Pfronten mit einer großen Freude über die Aussicht, mal wieder einen Winter in den Bergen zu erleben und mal wieder ganz dort zu sein, in einer eigenen Wohnung mit all meinen Sachen. Mich mal wieder in Pfronten zu Hause fühlen zu dürfen. Ich hatte vor, Zeit mit meinen Eltern zu verbringen, bevor sie richtig alt werden und ich hatte eine Liste mit Leuten, die ich sprechen und mit Dingen, die ich filmen wollte. Ich habe die Aktion nämlich als Dokumentarfilm getarnt. Wahrscheinlich, um der eigenen Angst auszuweichen. Auf diese Weise war das alles nämlich "projektbezogen" und für seine Arbeit tut man ja heutzutage bekanntlich alles (8 Milliarden Arbeitslose allein in Deutchland!) Da war A., den ich erst bei meinem letzten Weihnachtsbesuch in Pfronten zum ersten Mal getroffen habe, als ehemalige Schulfreunde mich nach ein paar Gläsern Bier im Wirtshaus noch mit zu ihm genommen haben und den ich besser kennen lernen wollte. Da war meine alte Spielfreundin S., die in Pfronten geblieben war, 3 Töchter hat und mit einem Bergführer verheiratet war. Da war die Straße, in der ich aufgewachsen bin und das wunderbare Vilstal, der Kienberg, der Falkenstein, auf dem wir immer gerodelt sind und überhaupt der romantische Winter.
Ich wollte, dass meine Freundin mich dort besucht und mich besser versteht, wenn wir über unsere gemeinsame Zukunft reden. Da waren auch die Schneekanonen und die Modernisierung des Ortes, bei der viele meiner Lieblingsecken nach und nach verschwinden, oder der Bau der Autobahn, der mich schockiert.

Ich wollte das neu kennen lernen und rausfinden, ob das noch ein Ort für mich ist. Und ich hatte die Ahnung, dass dabei ein Film entstehen kann, der nicht nur für Pfrontner interessant wird.

*** ein Jahr später ***

Der Winter in Pfronten ist vorbei. Ich habe Bergluft geatmet, musste Schnee schaufeln, habe mich mit der CSU gestritten, mich über Schneekanonen aufgeregt, die Legostadt aufgebaut, mir eine Berghütte schenken lassen und ein Autobahnschild installiert. Der Winter WAR spannend. Und ich habe ihn gefilmt (siehe: "in Arbeit: mein Heimatfilm"). Ich habe auch darüber geschrieben und von Zeit zu Zeit Rundbriefe an meine besten Freunde verschickt. Eine kleine Auswahl präsentiere ich auf den folgenden Seiten.

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